Ruhrfestspiele Recklinghausen


Grand Finale. Foto: Rahi Rezvani



Das Theater hat immer schon die Frage nach dem Zusammenleben gestellt. Es hat immer schon auf den Menschen und die Gesellschaft in Augenblicken von Umbrüchen geblickt. Und es hat immer schon gezeigt und dazu beigetragen, wie die neuen, unüberschaubaren Herausforderungen des Lebens gemeistert werden können. Denn von Neuanfängen, von Aufbrüchen und Utopien erzählt das Theater seit seinen Ursprüngen. Die Ruhrfestspiele selbst sind in einem Moment eines gewaltigen Umbruchs entstanden. Heute, nach über 70 Jahren, ist mit dem Ende des Steinkohlenbergbaus wieder ein Umbruch zu erleben.


Die erste Festspielsaison des neuen Intendanten der Ruhrfestspiele, Olaf Kröck, steht unter der Überschrift „Poesie und Politik“ und berührt in diesem Spannungsfeld eine Vielzahl von Themen wie das Zusammenleben verschiedener Kulturen, Abschottungsfantasien in Europa, romantische Sehnsüchte nach Lebendigkeit im Spätkapitalismus und Strukturen des Populismus. 90 Produktionen mit rund 210 Veranstaltungen, davon drei Eigenproduktionen, eine Uraufführung, sieben Deutschlandpremieren und eine Kunstausstellung werden zwischen dem 1. Mai und dem 9. Juni im Ruhrfestspielhaus in Recklinghausen und in zahlreichen weiteren Spielstätten, u. a. in der Halle König Ludwig 1/2, im Theater Marl, in der Recklinghäuser Innenstadt und in der Christuskirche zu sehen sein. Beteiligt sind mehr als 850 Künstlerinnen und Künstler aus rund 16 verschiedenen Ländern, darunter Namibia, dem Libanon, Israel, Indien, Großbritannien, Deutschland, Frankreich, den Niederlanden, Griechenland und der Ukraine.


Zu den Höhepunkten des Festivals gehören die von der Kunststiftung NRW geförderte Eigenproduktion „What is the City but the People?“, die nach einer Idee des renommierten Konzeptkünstlers und Turner-Preisträgers Jeremy Deller für das Manchester International Festival konzipiert wurde, die Deutschlandpremieren von Peter Brooks „The Prisoner“ und Ivo van Hoves „Ein wenig Leben“, nach dem Roman von Hanya Yanagihara, und die beiden Tanzarbeiten „Grand Finale“ von Hofesh Shechter und „The Great Tamer“ von Dimitris Papaioannou. Zudem gibt es eine neue Reihe im Bereich Literatur: Die Ruhrfestspiele haben an drei Abenden drei Gäste zum Gespräch mit dem Literaturkritiker und Moderator Denis Scheck eingeladen. Es sind drei Jahrhundertbiografien: Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller, außerdem Autor und Filmemacher Georg Stefan Troller und der amerikanische Anwalt und Autor Louis Begley. Als Eigenproduktion präsentieren die Ruhrfestspiele zudem den Abend „Hüller trifft Hauschka“ der beiden oscarnominierten Künstler Sandra Hüller und Volker Bertelmann alias Hauschka.


Text: Ruhrfestspiele Recklinghausen


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Ruhrfestspielhaus-Außenansicht. Foto: Ruhrfestspiele





Jeremy Deller, What is the City but the People?, Manchester International Festival



Die Ruhrfestspiele 2019 beginnen mit einer Einladung an die ganze Stadt: „Kommt auf den Rathausplatz und schaut euch an, was – oder besser wer – diese Stadt ausmacht“. Konzipiert nach einer Idee des britischen Konzeptkünstlers Jeremy Deller, ist „What is the City but the People?“ eine Hommage an die Gesichter und Geschichten, die eine Stadt ausmachen. In einer einzigartigen Mischung aus Installation, Konzert und Intervention im Stadtraum präsentieren auf einem 50 m langen Laufsteg im Zentrum der Stadt 100 Menschen aus Recklinghausen ihre Geschichten – komprimiert auf 140 Zeichen. Alltagshelden treffen auf berührende Einzelschicksale, die live mit der Welt geteilt werden. Dabei stehen die Teilnehmer sowohl als Individuen im Blickfeld, als auch als Mitglieder der Stadtgemeinschaft, die so auf symbolischer Ebene als ein komplexes, vielschichtiges Gefüge sichtbar wird und den Betrachter dazu einlädt, über ihre Funktion sowie die Herausforderung ihrer Gestaltung ins Gespräch und ins Nachdenken zu kommen.

Nicht die besondere Architektur oder Sehenswürdigkeiten machen Städte aus, sondern die Menschen, die in ihnen leben, sie mit Leben füllen. Zur Uraufführung kam Dellers Idee 2017 unter der Regie von Richard Gregory als Eröffnung des Manchester International Festivals. Mitten in Manchester kamen die Menschen für eine Stunde zusammen, wurden Teil der Installation. Nun wird Recklinghausen Jeremy Dellers Idee umsetzen und die Stadt in einen Laufsteg verwandeln.



Jeremy Deller (*1966) agiert seit den 1990er-Jahren als Video-, Installations- und Konzeptkünstler. Viele seiner Arbeiten sind kollaborativ, haben einen starken politischen Aspekt und thematisieren kulturelle Identität. Der performative und partizipative Ansatz seiner Arbeit verortet das Werk im Bereich des Öffentlichen. 


Richard Gregory ist ein britischer Regisseur und Teil des interdisziplinär agierenden Künstlerkollektivs Quarantine, das er mitbegründet hat. Gregory ist spezialisiert auf Arbeiten, die erfahrene Darsteller mit Laien zusammenführt. 


Das Manchester International Festival ist eine internationale Biennale, die den Fokus auf neue, interdisziplinäre Arbeiten legt. What is the City but the People? beim MiF >>


Text: Ruhrfestspiele Recklinghausen



WHAT IS THE CITY BUT THE PEOPLE?

(Deutschlandpremiere)

  1. Mai 2017, 17 Uhr Rathausplatz Recklinghausen

Nach einer Idee von Jeremy Deller

Regie Richard Gregory

In Zusammenarbeit mit dem Manchester International Festival




What is the city but the people - Recklinghausen 04.05.2019 from Siegersbusch on Vimeo.



Foto: Ana-Córcoles Siegersbusch



Foto: Ana-Córcoles Siegersbusch



Foto: Ana-Córcoles Siegersbusch



Foto: Ana-Córcoles Siegersbusch




Ruhrfestspiele Recklinghausen 2019: Programmheft
 

Ruhrfestspiele Recklinghausen 2019: Programmkalender
 


RZ, 4.5.2019
 

dpa, 5.5.2019
 

WDR online, 5.5.2019
 

RZ Kultur, 6.5.2019
 

RZ, 6.5.2019