FFT – Forum Freies Theater, Düsseldorf


FFT Kammerspiele. Foto: Oliver Paul



Das FFT ist seit 1999 die Plattform für professionelles freies Theater in Düsseldorf.


Theater, Performance, Tanz, bildende Kunst und Musik sowie Formate, die an den Übergängen zwischen den Gattungen entstehen, finden hier ihren Platz. Künstler*innen wird nicht nur eine Bühne zur Verfügung gestellt, es werden gemeinsam neue Ideen und Möglichkeiten des öffentlichen Austauschs erforscht.


Kunst, Forschung und Bildung sind Aktionsflächen des FFT, auf denen gesellschaftliche Diskurse verhandelt werden. Im Fokus stehen dabei die Themen Demokratisierung, urbanes Leben und Handeln, Postkolonialismus und interkulturelle Öffnung, Vernetzung und Digitalität. Das FFT Düsseldorf arbeitet eng mit Schulen und Hochschulen zusammen, um Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene künstlerisch aktiv zu beteiligen.


Das FFT agiert als Partner in einem Netzwerk aus Produktionsstätten und Theatern in Nordrhein-Westfalen, Deutschland und international.


Text: FFT






Internationale Performances, September 2019 – Januar 2020


Die Menschen haben sich den Weltuntergang schon immer in den schillerndsten Farben ausgemalt. „Die Vorstellung, in einer Endzeit zu leben, scheint eine Konstante zu sein“, schreibt der Philosoph Giorgio Agamben. Davon zeugen auch zahlreiche Beispiele in der aktuellen Kulturproduktion. Aber wem nützt das Zerrbild vom Ende aller Tage? Bringt es uns tatsächlich dazu, produktiv über eine bessere Zukunft nachzudenken? Oder spielt es Angstmacher*innen und Populist*innen in die Hände, die mit einfachen Lösungen zur Rettung locken? Das FFT Düsseldorf zeigt fünf internationale Performances in der Reihe Eve of Destruction. Das Ende der Welt wird zum Ausgangspunkt fantastischer, grausamer, aber auch utopischer Vorstellungen.


Mit: Claudia Bosse / theatercombinat, Via Negativa, Ariel Efraim Ashbel and Friends, Helena Waldmann, AGORA  Theater und Felix Ensslin



Claudia Bosse / theatercombinat

THYESTES BRÜDER! KAPITAL

Anatomie einer Rache

11./13./14. September 2019 in der Botschaft am Worringer Platz


In Senecas Tragödie „Thyestes“ beschreibt der Chor ein Verbrechen, das so unvorstellbar grausam ist, dass es die Welt aus den Angeln heben könnte. Basierend auf der Übersetzung von Durs Grünbein entwickelt Claudia Bosse eine begehbare Text-Raum-Choreografie, die uns mit dem Undenkbaren konfrontiert. Das Wiener Künstlerkollektiv theatercombinat unter der Leitung von Claudia Bosse steht für experimentelle Produktionen im Grenzbereich von Installation, Performance und Choreografie. Radikal werden Körper und Stimme, Individuum und Ensemble, Raum und Architektur miteinander konfrontiert.



Via Negativa

365falls

8./9. November 2019 im FFT Juta


Tagtäglich bemühen wir uns um Balance und Standfestigkeit. Trotzdem sind es die Stürze, Unfälle und Unsicherheiten, die die Weltgeschichte bestimmen. Via Negativa untersuchen das paradoxe Verhältnis zwischen der Notwendigkeit von Veränderung und unserem Wunsch nach Stabilität. Kaum eine Gruppe für Performing Arts in Europa erforscht so ausdauernd das Verhältnis von Körper, Bühne und Publikum wie die slowenische Gruppe Via Negativa. Dabei entwickeln sie ein an die Body Art angelehntes Spiel mit Entblößung, Exzess und Gewalt.



Helena Waldmann

Der Eindringling – eine Autopsie

29./30. November 2019 im FFT Juta


Ein Stück, das unter die Haut geht: Mit drei Kung-Fu-Tänzern zieht Helena Waldmann Parallelen zwischen Biologie und Gesellschaft und dekonstruiert das Märchen vom „Fremdkörper“: Die vermeintlichen Angreifer von außen erweisen sich als überlebensnotwendig. Die Tanzregisseurin Helena Waldmann erfindet ihre Kunst mit jedem Stück neu. Mit einem Team von Expert*innen unternimmt sie Tiefenbohrungen an den wunden Punkten unserer Zeit, in einer Welt, deren Möglichkeitsräume wir nicht annähernd auszuschöpfen wissen.



Ariel Efraim Ashbel and friends

no apocalypse not now

6./7. Dezember 2019 im FFT Juta


Ausgehend von der griechischen Bedeutung des Wortes Apokalypse (ἀποκάλυψις) – Enthüllung – entwirft no apokalypse not now eine überschwängliche, kritische und nichtsdestotrotz hoffnungsvolle Auseinandersetzung mit der Frage nach dem Ende der Welt, wie wir sie kennen. Der israelische Regisseur Ariel Efraim Ashbel erarbeitet mit einer Gruppe internationaler Künstler*innen Performances als Utopien. Dabei mischen sie afrofuturistische Elemente mit queerer Travestie, Operngesang und Rock-Show – hoch musikalisch, eklektizistisch und von digitaler Technologie inspiriert.



AGORA Theater

Die drei Leben der Antigone Von Slavoj Žižek

22./24./25. Januar 2020 im FFT Juta


Der berühmte slowenische Philosoph Slavoj Žižek hat eine als unspielbar geltende Fassung der „Antigone“ verfasst. Felix Ensslin inszeniert sie mit dem AGORA Theater. Dabei geben sie der tragischen Heldin neue Optionen, denn das unentrinnbare Schicksal scheint in unserer modernen Welt ein überholtes Modell zu sein. Das mehrsprachig arbeitende AGORA Theater aus dem belgischen St. Vith ist eine Institution der Grenz Erfahrung. Kulturell verhandelt es permanent die Verbindungen und Differenzen zwischen der deutschen, französischen und flämischen Kultur, zwischen Identität und Pluralität, In- und Ausland, Land und Stadt, und nicht zuletzt zwischen Theater für jugendliches und erwachsenes Publikum.