Rita Rohlfing – Das Virtuelle im Konkreten | Clemens Sels Museum Neuss


Speziell für das Clemens Sels Museum Neuss hat die Kölner Künstlerin Rita Rohlfing (geb. 1964) ein ortsspezifisches Konzept aus Installation, Projektion, Objektkästen, Wandarbeiten und Fotografien erarbeitet. Mit diesem wirkt die Künstlerin der architektonischen Strenge und Schwere ebenso wie der Abgeschlossenheit des Hauses zugunsten von Leichtigkeit, Flüchtigkeit und Tiefenräumlichkeit entgegen. Die Ausstellung, die im Kontext zur museumseigenen Sammlung der Farbmalerei steht, wird von einem Katalog und einem reichen Veranstaltungsprogramm begleitet.

 

 ANSCHEINEND, 2015 (Simulation) | Foto: Rita Rohlfing


Für den Gartensaal des Clemens Sels Museums Neuss hat Rita Rohlfing eine Installation aus Plexiglasplatten und farbigen Elementen konzipiert, die ein Fenstersegment in einen leuchtenden Farbraum verwandelt. Im Gegensatz zu den bisherigen Objektkästen der Künstlerin kann der Betrachter nun von zwei Seiten – von Innen und von Außen – in den diffusen Farbkörper visuell eintauchen. Je nach Einfall und Intensität des Lichts verändert sich die Farbwirkung des imaginären Raums, dessen Kolorit durch die mattierten Flächen als diffuser Farbschimmer in den Innen- und Außenraum strahlt. Rita Rohlfing schafft einen aus sich heraus leuchtenden Farbraum, durch den virtueller und realer Raum verschmelzen und die Trennung zwischen architekto-nischem Innenraum und natürlichem Außenraum optisch aufgehoben wird.


the virtual in the concrete, 2015 (Simulation) | Foto: Rita Rohlfing


Für das Foyer des Clemens Sels Museums Neuss hat Rita Rohlfing erstmals eine Projektion realisiert. Der Eingangsbereich wird von der Schwere und konstruktiven Strenge des Treppen-hauses dominiert. Auf diesen Betonkörper projeziert die Künstlerin eine großformatige Architekturaufnahme, die nicht durch ihre Farbigkeit, sondern vielmehr durch ihre feine und kleinteilige Struktur der strengen Form und visuellen Härte der Treppenhauskonstruktion entgegenwirkt. Durch diesen gezielten formalen Eingriff hebt die Künstlerin das Konstruktive der realen Architektur auf und lässt ein visuelles Wechselspiel von Leichtigkeit und Schwere, Nähe und Ferne, Groß und Klein entstehen, das sich zwischen Realität und Projektion, zwischen Kunstwerk und Umraum wirkungsvoll entfaltet.      


In ihrem Schaffen überschreitet Rita Rohlfing eindrücklich die Gattungsgrenzen von Malerei und Bildhauerei, Installation und Fotografie. Durch das wohlkalkulierte Zusammenspiel der Werke spiegelt die Neusser Ausstellung ganz aktuell und beispielhaft jene Grenzbereiche wider, in denen sich das Schaffen von Rohlfing bewegt und das sie um das Medium der Fotografie erweitert hat. So vereint die Präsentation die verschiedenen Werkgruppen, die sich immer wieder neu und anders an der Schnittstelle von Malerei und Skulptur, Malerei und Fotografie sowie von Fotografie und Architektur bewegen.


RUBIN, 2014 | Foto: Rita Rohlfing


Rita Rohlfing verwandelt den Ausstellungsraum in imaginäre Farbräume, die die Wahrnehmung und das Empfinden des Besuchers nachhaltig für die Kraft und vielfältigen Wirkungsweisen von Farbe, Form und Struktur sensibilisieren. Die Künstlerin hebt durch ihre Eingriffe die materiellen Grenzen und optischen Barrieren auf und wirkt der realen Wirkungsweise der Architektur entgegen. Die Ausstellung „Das Virtuelle im Konkreten“ eröffnet neue Blickwinkel und überraschende Erfahrungsweisen, in denen sich Sehen und Denken, Wahrnehmung und Reflexion über die Kunst hinaus vereinen.


Kurzbiografie Rita Rohlfing

geb. 1964 in Bad Oeynhausen, lebt in Köln

Master of Fine Arts an der School of Visual Arts in New York, USA, Studium der Freien Kunst an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig, Meisterschülerin von Bernd Minnich und Roland Dörfler, artist in residence/Linz, Stipendium des Landes Oberösterreich, Österreich, Preisträgerin des Bildhauersymposiums Heidenheim „WERK 13“, „open endings“, ART TLV, Teilnahme an der International Art Biennial, Tel Aviv, Israel, „openartresidency“, Eretria, Griechenland, Nachwuchsstipendium Bildende Kunst der Kunststiftung NRW, Stipendium des Landes NRW, Stiftung Künstlerdorf Schöppingen, DAAD-Auslandsstipendium für New York, US


Einzelausstellungen (Auswahl)

Kunstsammlung des Landes Oberösterreich, Linz, Österreich, The Art Foundation, Athen, Griechenland, International Art Biennial, Tel Aviv, Israel, Kunst aus NRW in der ehemaligen Reichsabtei Aachen – Kornelimünster, Aachen – Kornelimünster, Verein für aktuelle Kunst / Ruhrgebiet e. V., Oberhausen, Watertoren AK, Vlissingen, NL, artothek, Köln, Ludwig Forum für internationale Kunst, Aachen, Rheinisches Landesmuseum, Bonn, Kunstmuseum in der Alten Post, Mülheim an der Ruhr, Städtische Galerie Villa Zanders, Bergisch Gladbach, Huyton Gallery, Liverpool, England