Fotografie in der Weimarer Republik,
LVR-LandesMuseum Bonn


Hans Bresler: Proletarierin liest die Zeitschrift "Der Arbeiter-Fotograf" (Schwägerin des Fotografen), 1928. Deutsche Fotothek Dresden. Copyright: Deutsche Fotothek / Hans Bresler



Unter dem Titel „Fotografie in der Weimarer Republik“ zeigt die nächste Sonderausstellung im LVR LandesMuseum Bonn vom 1. Oktober 2019 bis zum 19. Januar 2019 Fotografien aus den Sammlungen der Stiftung F. C. Gundlach Hamburg, der Deutschen Fotothek Dresden und des LVR-LandesMuseum Bonn.

Nur 14 Jahre währte die Weimarer Republik. Doch die ereignisreichen Jahre zwischen 1918 und 1933 waren entscheidend für die Geschichte des 20. und 21. Jahrhunderts, im Positiven wie im Negativen: 14 Jahre voller Gegensätze in Politik, Gesellschaft, Kunst und Technik. Wie kaum ein anderes Medium hat die Fotografie das Gesicht dieser Epoche geprägt. Beflügelt durch die Neuerungen in Kamera-, Film- und Drucktechnik erlangte sie eine nie dagewesene Qualität und Wirkmacht. Durch das Bauhaus und die Idee eines „Neuen Sehens“ angeregt, wurden die Fotografinnen und Fotografen experimentierfreudig wie nie zuvor. Mit der Kamera blickten sie steil nach oben oder senkrecht herunter, aus fahrenden Autos heraus oder in vielfach spiegelnde Fensterscheiben hinein. Der Bauhauslehrer László Moholy-Nagy prophezeite 1927, dass Fotografie schon bald ein Unterrichtsfach „wie heute das abc oder einmaleins“ sein werde und der „fotografieunkundige der analphabet der zukunft“ sei.

Fotografie und Text verbanden sich zur modernen Reportage. Presse-Fotografen wie Erich Salomon und Friedrich Seidenstücker wurden Stars. Die Berliner Illustrirte Zeitung war mit 2 Millionen Exemplaren die auflagenstärkste Wochenzeitung der Welt. Manipulationen und Agitationen mit Wort und Bild erlebten eine frühe Blüte. In 400 teils unveröffentlichten Fotografien aus der Weimarer Republik wirft die Ausstellung einen Blick auf diese turbulente Zeit. 15 Themenräume zu Fortschritt, Revolution, Arbeit, Architektur, Sport, Mode oder Tanz lassen Modernität und Lebensgefühl der Epoche ebenso spürbar werden wie ihre Widersprüchlichkeit und Zerbrechlichkeit. Dabei stehen bekannte Fotografennamen wie August Sander, Lotte Jacobi, Hugo Erfurth oder Alfred Eisenstaedt neben zahlreichen Bildern von unbekannten Autoren, die erstmals wieder zu entdecken sind. Ergänzt durch Zeitschriften, Fotobücher und Bildmagazine – viele durchblätterbar-, Postkarten und Plakate entsteht so ein perspektivenreicher Blick auf den Alltag der Weimarer Republik, auch jenseits der „Goldenen 20er“ in der quirligen Metropole Berlin.

Ein Kooperationsprojekt des LVR-LandesMuseums Bonn, der Stiftung F.C. Gundlach Hamburg und der Deutschen Fotothek Dresden mit Unterstützung von ullstein bild collection Berlin. Die Ausstellung ist gefördert durch die Kunststiftung NRW. Sie wird im Rahmen des Verbundprojektes „100 jahre bauhaus im westen“ präsentiert.

Text: LVR LandesMuseum Bonn



Als Jubiläumsprojekt gefördert von der Kunststiftung NRW.



Ausstellung


Fotografie in der Weimarer Republik

1. Oktober 2019 bis zum 19. Januar 2019


LVR-LandesMuseum Bonn

Colmantstraße 14-16

53115 Bonn



Albert Renger-Patzsch, brasilianischer Melonenbaum, 1920er Jahre. LVR-LandesMuseum Bonn. Copyright: Albert Renger-Patzsch/Archiv Ann und Jürgen Wilde, Zülpich/VG Bild-Kunst, Bonn 2019.



Hans Bresler: Arbeiterfotografen der Freitaler Gruppe. Werbung für die Fotoausstellung in der "Alten Post" Freital, 1929. Deutsche Fotothek Dresden. Copyright: Deutsche Fotothek / Hans Bresler