Straelener Übersetzerpreis 2015


 

Der Literaturübersetzer Gerrit Bussink wird 2015 mit dem Straelener Übersetzerpreis der Kunststiftung NRW ausgezeichnet. Anne Folkertsma erhält den Förderpreis.

 


Der Straelener Übersetzerpreis der Kunststiftung NRW geht im Jahr 2015 an den Literaturübersetzer Gerrit Bussink. Der Preis ist mit 25.000 Euro dotiert und wird in Kooperation mit dem Europäischen Übersetzer-Kollegium in Straelen vergeben. Gerrit Bussink erhält den Preis für die Übersetzung des Romans „Vogelweide“ von Uwe Timm, erschienen 2013 bei Kiepenheuer & Witsch, der im Niederländischen den Titel „De macht van begeerte“ (Uitgeverij Podium, 2014) trägt.


Der 1944 in den Niederlanden geborene Gerrit Bussink übersetzt seit 1972 bedeutende deutschsprachige Autoren wie Martin Walser, Thomas Bernhard, Friedrich Dürrenmatt, Christa Wolf, Siegfried Lenz oder Peter Handke ins Niederländische.

Bussinks hervorragende Übersetzung stehe exemplarisch für ein Œuvre, das durch Klarheit und Präzision besticht, heißt es in der Jurybegründung.

Der Preis würdigt zugleich das übersetzerische Lebenswerk von Gerrit Busskin, der mit großem Engagement und auf konstant hohem Niveau zahlreiche wichtige Bücher aus Deutschland, Österreich und der Schweiz einem niederländischen Publikum zugänglich gemacht hat.



Gerrit Bussink | Foto: Zara Pfeiffer



Der mit 5.000 Euro dotierte Förderpreis zum Straelener Übersetzerpreis 2015 der Kunststiftung NRW geht an die 1964 in Amsterdam geborene Anne Folkertsma für ihre souveräne Übertragung des Berliner Cliquenromans „Blutsbrüder“ von Ernst Haffner, erschienen 2013 im Walde und Graf Verlag sowie im Niederländischen 2014 unter dem Titel „Bloedbroeders“ im Verlag De bezige Bij.

Dieser Roman über eine Jugendbande im Berlin der späten 1920er Jahre lasse die bemerkenswerte Stilsicherheit der Übersetzerin Anne Folkertsma und ihr feines Gespür für die adäquate Wiedergabe von Zeitkolorit, Jargon und Milieu erkennen, so die Jury.



Anne Folkertsma | Foto: privat



Aus den Begründungen der Jury:

 

Gerrit Bussink

 

Seit Anfang der 1970er Jahre hat Gerrit Bussink ein eindrucksvolles, immer noch anwachsendes Œuvre mit mehr als 150 Übersetzungen deutschsprachiger literarischer Werke des 20. und 21. Jahrhunderts hervorgebracht. Jeder Text zeichnet sich durch technische Virtuosität, sprachliche Eleganz und große Sensibilität für unterschiedliche Stile und Stimmen aus. Seine hervorragende Übersetzung von Uwe Timms Roman "Vogelweide" ("De macht van begeerte") steht exemplarisch für seine Arbeiten, die durch Klarheit und Präzision bestechen und Bussinks Talent für überzeugende unorthodoxe Lösungen offenbaren. Sein vielfältiges Werk umfasst unter anderem Übersetzungen von Thomas Bernhard, Karen Duve, Hans Magnus Enzensberger, Wilhelm Genazino, Thomas Glavinic, Peter Handke, Siegfried Lenz, Peter Stamm und Christa Wolf. Darüber hinaus hat Bussink auch durch die Übertragung etlicher Theaterstücke einen bedeutenden Beitrag zur Vermittlung deutscher Literatur und Kultur in den Niederlanden geleistet.

Gerrit Bussink, 1944 geboren, studierte Germanistik in Amsterdam. Er arbeitete als Hochschuldozent, Literaturkritiker und Redakteur bei Funk und Fernsehen, bevor er sich ganz auf die Tätigkeit als literarischer Übersetzer konzentrierte.

Mit dem Preis wird die außergewöhnliche Lebensleistung eines Übersetzers gewürdigt, der mit großem Engagement und auf konstant hohem Niveau zahlreiche wichtige Bücher aus Deutschland, Österreich und der Schweiz einem niederländischen Publikum zugänglich gemacht hat.

 

Anne Folkertsma

 

Nach ihrem Studium der Übersetzungswissenschaft war Anne Folkertsma zunächst etliche Jahre als Lektorin für verschiedene Literaturverlage tätig, bevor sie sich wieder dem literarischen Übersetzen zuwandte. Mit großer Sorgfalt und Genauigkeit überarbeitete sie verschiedene ältere Übersetzungen von Romanen Hans Falladas. Anschließend übersetzte sie aus dem ursprünglichen Manuskript gestrichene Passagen aus "Jeder stirbt für sich allein" und veröffentlichte 2013 eine rundum überzeugende Übersetzung von "In meinem fremden Land: Gefängnistagebuch 1944". 2014 folgte die Übersetzung von "Blutsbrüder: Ein Berliner Cliquenroman" ("Bloedbroeders") von Ernst Haffner. Ihre souveräne Übertragung dieses Romans über eine Jugendbande im Berlin der späten 1920er Jahre lässt eine bemerkenswerte Stilsicherheit erkennen und ein feines Gespür für die adäquate Wiedergabe von Zeitkolorit, Jargon und Milieu.

Der Preis soll Anne Folkertsma ermutigen, sich verstärkt dem Übersetzen zu widmen und ihre vielfältigen Erfahrungen und Kompetenzen im Umgang mit Texten in diese Arbeit einfließen zu lassen.



Der Jury gehörten im Jahr 2015 an:

Gregor Seferens (Bonn), Dr. Barbara Honrath (Amsterdam) und Ton Naaijkens (Utrecht)


Der Preis wurde am 18. Juni 2015 im Europäischen Übersetzer-Kollegium in Straelen durch den Präsidenten der Kunststiftung NRW Dr. Fritz Behrens überreicht. Die Laudatio hielt der Autor Uwe Timm.



Die Impressionen zeigen die Preisträger Gerrit Bussink und Anne Folkertsma, den Präsidenten der Kunststiftung NRW, Dr. Fritz Behrens, und den Laudator Uwe Timm während der Preisverleihung. Fotos: EÜK Straelen



Link zur Medienberichterstattung:


RP-online am 20. Juni 2015