Christoph Peters: Thomas Kling-Poetikdozent


Christoph Peters



Ein Rückblick



Das Reisen begleitet Christoph Peters wie das Schreiben: Es ist die Reibung zwischen Statik und Dynamik, zwischen Rückzug und Freiheit, aus der heraus seine Geschichten entstehen. Zuletzt las ich Peters‘ Erzählband „Diese wunderbare Bitterkeit – Leben mit Tee“ (erschienen 2016 im Arche Verlag), mit dem er seiner Leidenschaft für Teezubereitung und Teekeramik Ausdruck gibt und die Teezeremonie zwischen Handwerk und künstlerischer Fertigkeit betrachtet. Dabei gibt er seinen Leserinnen und Lesern stets die Überlegung mit, was Literatur ermöglichen kann. Noch vor wenigen Tagen erst las der Autor im Rahmen einer von ihm durchgeführten Teezeremonie in Bonn selbst aus seinem Band und gab den Zuhörerinnen und Zuhörern im direktesten Sinne mit Wort und Aufguss eine Kostprobe seiner Fähigkeiten. Christoph Peters ist ein Impulsgeber, der Erfahrungen teilt und weitergibt – durch seine Geschichten und Erzählungen, bei Vorträgen und Lesungen, wie auch im Rahmen seiner Lehre.


Christoph Peters hatte im Jahr 2017 die siebte Thomas Kling-Poetikdozentur der Kunststiftung NRW inne. Am Institut für Germanistik, Vergleichende Literatur- und Kulturwissenschaft an der Rheinischen Friedrichs-Wilhelms-Universität zu Bonn tauchte er mit einer Gruppe Studierender in die Welt des Schreibens und in die Facetten des Geschichtenerzählens ein: „Jedes Wort zählt – eine Geschichtenwerkstatt“, so der Titel seines Seminars. Bei einem Treffen im Café im Museum Ludwig in Köln berichtete Peters von den Inhalten seiner Poetik-Dozentur: Perspektiven des Schreibens zu vermitteln, sich den Schwierigkeiten, aber auch den Möglichkeiten der eigenen Sprache zu stellen. Zum einen den Blick auf das Handwerk zu richten, auf Traditionen, Techniken und Regeln. Nuancen der Sprache heraus zu arbeiten, auf ihre Rhythmik und ihre Klanggestalt zu achten. Sitzen zu bleiben, der Intuition zu folgen. Und sich andererseits über jedwede Materialität der Sprache dem „Unsagbaren“ zu widmen, dem Unbekannten nachzuspüren und den eigenen Blick zu befreien.


Bereits mit seiner Antrittsvorlesung „Vom Lagerfeuer zur fake news“ sprach er im Mai 2017 ein Plädoyer für die eigene Vorstellungskraft aus – der sich dann zwischen sieben und dreizehn Studierende aus verschiedenen Fachbereichen über die Dauer eines Semesters hinweg widmeten. In einem geschützten Raum der Erprobung lernten sie, Sprache als Katalysator zu nutzen, um Ordnung und Sinn beim Schreiben zu erzeugen und sich zugleich vom individuellen, freien Denken inspirieren und leiten zu lassen. Die Schreibwerkstatt fand mit der kontinuierlichen Praxis des Schreibens zunehmend Resonanz, und so formte das Interesse an der Auseinandersetzung mit Sprache und dem kollegialen Austausch darüber den Wunsch, den Zirkel auf eigene Initiative über das Seminar hinaus fortzusetzen, um Texte und Gespräche auszubauen. Die Ergebnisse wurden nun im Rahmen einer öffentlichen Lesung am 26. Januar 2018 im Fritz Café der Universität Bonn präsentiert: Laura von Altrock, Lea Daume, Yannick Günther, Jacqueline Sauer, Patrick Wira und Isabelle Pooth lasen ihre Texte und luden unter Moderation von Christoph Peters zur Diskussion darüber ein.

 

Text: Christina Irrgang




Christoph Peters, geboren 1966 in Kalkar, wuchs am Niederrhein auf, studierte Freie Malerei in Karlsruhe und lebt heute in Berlin. Er ist Autor zahlreicher Romane und Erzählungsbände und wurde für seine Bücher mehrfach ausgezeichnet, darunter mit dem Aspekte-Literaturpreis, dem Georg-K.-Glaser-Preis, dem Düsseldorfer Literaturpreis, dem Rheingau-Literaturpreis und dem Friedrich-Hölderlin-Preis. Die von der Kunststiftung NRW eingerichtete Poetikdozentur ist dem 2005 verstorbenen Lyriker und Essayisten Thomas Kling (*1957) gewidmet.


Aktueller Audio-Beitrag bei bonnFM: Poetikdozent Christoph Peters im Interview