poetica – Festival für Weltliteratur in Köln: Lesungen und Gespräche mit Oswald Egger und Marion Poschmann im Literaturhaus Köln


Oswald Egger, Foto: Charlotte Kons   

Marion Poschmann © Heike Steinweg/Suhrkamp Verlag



Als Sehnsuchtsaggregat kann die Poesie ein Baedeker in ein Gebiet sein, »Xanadu« (Coleridge) oder »Otaheiti« (Hölderlin) genannt, jenseits der Geographie, jedoch diesseits der Grammatik. Für Marion Poschmann und Oswald Egger spielen die Sehnsucht und ihre Orte prägende Rollen. Es kann um den Hortus conclusus des Mittelalters oder den seltsamen Val di Non gehen, jedoch auch um Schauplätze, die sich mittels GPS aufsuchen lassen, wie die japanischen Kieferninseln oder die Raketenstation Hombroich, die dennoch etwas Extraterritoriales haben. Ihre Texte zeigen, dass die Regionen, die poetisch erkundet werden, nur eines nicht sind, und auch das haben sie mit der Sehnsucht gemeinsam: Sie sind nicht austauschbar. Daher muss jedes Gedicht das Dichten neu erfinden. Bei Egger begegnet dem Leser ein »glasgratartig wächsernes Gebildegewimmel von gleich und gleich ungleichmöglichen Figuren und Konturen«. Seine Texte gehören einer ständig veränderlichen Sprache, die Welten gleichermaßen untersucht und erzeugt, um uns »ein Land in sich« vor Augen zu führen, »eine Unfülle von häufigen, ziellos moussierenden Formen ohne Form«. Auch bei Poschmann kann der Leser, wie das liquide Ich ihrer Hundenovelle, von changierendem Glitzern hypnotisiert werden: »Ich hätte es anfassen wollen, es entzog sich. Wie ein Lebewesen. Zog mich in sich hinein. Es versprengte meinen Blick, zerstreute mich über die Hautfläche dieses Arms, der wie neu wirkte, fremd.« Poschmann und Egger bestehen darauf, Dichtung nicht als Abbildung der Wirklichkeit, sondern als Erfahrung und Daseinsform zu betrachten. Ihre einmaligen Geschöpfe aus Atem und Alphabet beruhigen und beunruhigen zugleich, denn sie erweitern behutsam die Grenzen des Bekannten – mal nach innen, mal nach außen, als wären sie lyrische Fassungen der »Kleinschen Flasche« der Mathematik. An einem der Sehnsucht und ihren Orten gewidmeten Abend gehen Egger und Poschmann gemeinsam mit dem Kurator Aris Fioretos sowie der Literaturwissenschaftlerin Barbara Naumann der Frage der Poesie als Lebenselixier nach.

(Text: poetica – Festival für Weltliteratur)


Moderation: Aris Fioretos, Barbara Naumann




Marion Poschmann hatte die von der Kunststiftung NRW eingerichtete Thomas-Kling-Poetikdozentur 2015 inne.


Oswald Egger hatte die Thomas-Kling-Poetikdozentur 2013 inne.


Ihre Antrittsvorlesungen veröffentlichte die Kunststiftung NRW in den Bänden »Von Sprache sprechen« und »Von Sprache sprechen II«, beide erschienen in der Schriftenreihe der Kunststiftung NRW.


Hier erschien zuletzt das Buch »Triumph der Farben« von Oswald Egger.



Termin:


23. Januar 2019

19.30 Uhr


Literaturhaus Köln

Großer Griechenmarkt 39

50676 Köln