Anja Utler erhält die Thomas-Kling-Poetikdozentur 2018


Foto: Dirk Skiba


 

Die Schriftstellerin Anja Utler wird neue Thomas-Kling-Poetikdozentin an der Universität Bonn



Die 1973 in Schwandorf geborene Schriftstellerin Anja Utler übernimmt im WS 2018/19 die Thomas-Kling-Poetikdozentur der Kunststiftung NRW an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn. Die feierliche Antrittsvorlesung der neuen Poetikdozentin „Barfußgedanken. Über die gestrichelten Linien zwischen Anne Carson, Thomas Kling und Sudermann & Söderberg“ findet am Montag, 9. Juli 2018, 19 Uhr, im Bonner Universitätsforum, Heussallee 18-24, 53113 Bonn statt.

Die 2011 von der Kunststiftung NRW geschaffene Poetikdozentur wird zum achten Mal besetzt. Sie ist nach dem 2005 verstorbenen Lyriker und Essayisten Thomas Kling (*1957) benannt, der zehn Jahre auf der Raketenstation der Stiftung Insel Hombroich lebte und dessen Sprachkunst neue Maßstäbe setzte.

 


Anja Utler schreibt Poesie und Prosa und übersetzt. Sie hat Slawistik, Anglistik und Sprecherziehung studiert und über moderne russische Lyrikerinnen promoviert. Derzeit lebt sie in Regensburg und Wien. Für ihre sprachkünstlerische Arbeit wurde sie vielfach ausgezeichnet und gefördert; unter anderem erhielt sie 2003 den Leonce-und-Lena-Preis und 2016 den Heimrad-Bäcker-Preis. Zu ihren Publikationen gehören die Gedichtbände münden - entzüngeln (2004), jana, vermacht (2009), ausgeübt. Eine Kurskorrektur (2011) und die Sammlung Von den Knochen der Sanftheit. Behauptungen, Reden, Quergänge (2016).

 

Für Anja Utler ist ein Gedicht nicht eine bestimmte Form, sondern ein Ort akuter Gegenwart: Lyrisches Sprechen heißt hier Wirklichkeit „ersprechen“. Laute und Rhythmen sind darin ansteckende körperliche Realitäten, und Bedeutungen entstehen in offenen Prozessen, beim Lesen oder Hören. Schreib-sprechend sucht die Autorin dorthin zu gelangen, wo befreiende Unsicherheiten möglich werden, es aber auch wehtun kann, weil die Sprechende sich ohne schützende Abstände exponiert. Angreifbarkeit ist dabei kein Thema, sondern das Gestaltungsprinzip. Ebendies macht Lyrik zum privilegierten Ort für eine (auch) politisch gedachte Intervention.



Die Laudatio im Rahmen der Antrittsvorlesung hält Prof. Dr. Sabine Mainberger, der letztjährige Thomas-Kling-Poetikdozent Christoph Peters spricht ein Geleitwort, Grußworte sprechen Prorektor Prof. Dr. Klaus Sandmann, Prof. Dr. Volker Kronenberg, Prodekan der Philosophischen Fakultät der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, Prof. Dr. Jürgen Fohrmann, Geschäftsführender Direktor des Instituts für Germanistik, Vergleichende Literatur- und Kulturwissenschaft, und Dr. Ursula Sinnreich, Generalsekretärin der Kunststiftung NRW.


„Die Poetikdozentur der Kunststiftung NRW ehrt den Dichter Thomas Kling, einen seine Generation prägenden Sprachkünstler, der im Rheinland lebte und viel zu früh verstarb“, so Dr. Fritz Behrens, Präsident der Kunststiftung NRW. „Unsere Förderung zielt auf die Schnittstelle zwischen Literatur und Wissenschaft. Wir möchten angehenden Literaturwissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern eine Möglichkeit anbieten, konkrete dichterische Praxis und ästhetische Theorie miteinander in Verbindung zu bringen. Aus den vergangenen Jahren wissen wir inzwischen, dass das Konzept der Thomas-Kling-Poetikdozentur lebendige Wirkung zeigt und großen Anklang findet.“



Thomas-Kling-Poetikdozentur

Im Rahmen der Dozentur stattet die Kunststiftung NRW namhafte Autorinnen und Autoren oder Übersetzerinnen und Übersetzer mit einem Stipendium aus, das ihnen eigene Lehrveranstaltungen ermöglicht – und den Studierenden damit einen neuen Blick auf ihren Forschungsgegenstand. Die Auswahl treffen Vertreterinnen und Vertreter der Stiftung und der Universität Bonn. Als Begleitprogramm organisiert das Literaturhaus Bonn Veranstaltungen mit den Poetikdozentinnen und -dozenten.